Fotograf: Elias Hassos
Suzy B. – Bar in München

Suzy B. – Bar in München

Mitten in der Maxvorstadt, dort, wo sich Münchens akademische Adern mit koffeinhaltiger Rastlosigkeit und nächtlicher Trinkfreude kreuzen, steht ein denkmalgeschütztes Wohnhaus in der Schellingstraße.

Fotograf: Elias Hassos
Fotograf: Elias Hassos

Ein Haus mit Geschichte, dem man seine ehrwürdige Substanz ansieht – und das dennoch, oder gerade deshalb, Platz für eine doppelte Überraschung bietet: zwei Bars, zwei Konzepte, ein Ensemble mit einem Augenzwinkern in Richtung Glamour und Rennsportvergangenheit.

Fotograf: Elias Hassos
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Die rechte Seite gehört James T. Hunt, einer Bar, die dem ikonischen, britischen Formel-1-Piloten gewidmet ist. Seit 2013 residiert sie dort mit schwarzem Interieur, rauer Eleganz und einem Hauch von Adrenalin im Glas.

Fotograf: Elias Hassos
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Links dagegen, wo einst Brillen verkauft wurden, haben die Architekten Arnold / Werner nun Suzy B. eröffnet – benannt nach Susan Hunt, der Ex-Frau des Namensgebers der Nachbarbar, die später, nicht ganz nebenbei, Richard Burton ehelichte. Eine Kombination, die weniger nach Nachtleben klingt, als nach Netflix-Serie mit British Accent.

Fotograf: Elias Hassos
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Ein Raum wie ein Statement

Während sich James T. Hunt in dunkler Noblesse gefällt, gibt sich Suzy B. femininer, fast weich gezeichnet. Der Raum lebt von hellem Holz, sanft gerundeten Kanten und einer barseidenen Lichtregie. Zentrum des Geschehens ist ein fast quadratischer, kompakter Bartresen aus gegossenem Zinn, dessen weiche Rundungen an eine Skulptur aus der Werkstatt eines detailverliebten Goldschmieds erinnern. Er steht nicht nur optisch im Mittelpunkt, sondern erfüllt mit seinen klaren Linien und funktionalen Seitenflächen aus rohem Aluminium auch die praktischen Anforderungen eines arbeitsintensiven Barabends.

Fotograf: Elias Hassos
Fotograf: Elias Hassos

Besonders abends, wenn sich das Licht dimmt und die LED-Streifen – dezent verborgen in Rückenlehnen, Tresen und Rücktheke – ihren Auftritt haben, verwandelt sich Suzy B. in ein leuchtendes Stillleben aus Cognacleder, Beton und poliertem Metall. Eine Bühne für Gespräche mit Tiefe und Drinks mit Haltung.

Von der Bar in die Lounge – über fünf Stufen in eine andere Welt

Hinter dem Bartresen, dort, wo die Schallkulisse der Bar langsam verebbt, führen fünf Stufen in zwei intime Lounges. Hier wird es dunkler, gedämpfter, privater. Ein schwarzer Hochflor-Wandteppich und eine aufwendig konzipierte Deckenleuchte – eine Art textile Lichtinstallation aus LED-Streifen zwischen schwarzem und rotem Vorhangstoff – verleihen dem Raum etwas Theatralisches. Nicht unpassend für eine Bar, die ihre Namensgeberin in ein dramatisch ausgeleuchtetes Porträt überführt.

Fotograf: Elias Hassos
Fotograf: Elias Hassos

Eben dieses Porträt – mit Oil-Sticks direkt auf die apricotfarbenen Wand- und Deckenflächen gemalt – stammt von der Münchner Künstlerin Veronika Günther. Ihre Interpretation des glamourösen Paares James und Susan verleiht dem Raum nicht nur ein visuelles Zentrum, sondern erzählt auch von der melancholischen Eleganz vergangener Dekaden – irgendwo zwischen Rennfahrerlärm und Hollywood-Boulevard.

Zwischen Designanspruch und Dauerbetrieb

Arnold / Werner wäre nicht die Architekten die sie sind, wenn sie bei aller gestalterischen Raffinesse nicht auch die Tücken des Alltags im Blick hätten. Deshalb ist Suzy B. nicht nur akustisch vom Wohnhaus entkoppelt – eine Art schallisolierter Kokon –, sondern auch mit robusten Materialien ausgestattet: flügelgeglätteter Estrich, feuerverzinkter Stahl, Keramikfliesen, Edelstahl und eben dieses sinnlich patinierende Aluminium-Zinn-Ensemble im Zentrum. Jedes Detail ist durchdacht, ohne je angestrengt zu wirken.

Fotograf: Elias Hassos
Fotograf: Elias Hassos

Der Blick von außen – und das schwarze Augenpaar

Wer draußen auf der Schellingstraße vorbeiflaniert, kann durch die breiten Schaufenster einen ersten Eindruck erhaschen. Darüber: ein übergroßes, schwarzes Augenpaar, ebenfalls von Veronika Günther. Es scheint das Geschehen in der Bar zu beobachten – oder vielleicht auch die Gäste draußen, die sich unter den Markisen des kleinen Schanigartens versammeln. Dort, wo Innen- und Außenraum verschwimmen, zeigt sich das Gestaltungsprinzip von Suzy B. in seiner vollendeten Form: offen, einladend, durchdacht – und mit einem feinen Sinn für Inszenierung.

Projektdaten
Architekten: Architekten Arnold / Werner, arnoldwerner.com
Team: Katharina Rotthaler-Engel, Janina Rühl und Valentina Hobel, Sascha Arnold, Steffen Werner
Bauaufgabe: Umbau Gastronomie
Bauherr: A/J/W Hotellerie & Gastronomie
Ort: München
Fläche: 90m2
Leistung: Innenarchitektur LP 01 bis 08
Fertigstellung: Juli 2024
Bauzeit: 18 Monate
Kunst: Veronika Günther
Fotograf: Elias Hassos

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