Vorarlberg wird europaweit mit einer starken Baukultur verbunden: Zeitgenössischer Holzbau trifft dort oft auf einen sehr behutsamen Umgang mit gewachsener Substanz. In diesem Umfeld haben Peter und Pia Fetz, die das Hotel Hirschen in der 10. Generation führen, das historische Ensemble im Jahr 2024 um ein neues Badehaus ergänzt. Für die Lichtplanung des filigranen Neubaus war Barbara Gilhaus-Sturn verantwortlich, die dafür mit dem international erfahrenen Architekturlicht-Spezialisten Deltalight zusammenarbeitete. Entstanden ist ein Lichtkonzept, das die Innenarchitektur in den Vordergrund rückt, Oberflächen und Materialien ruhig modelliert und sich mit hoher Präzision sowie sensibler Abstimmung auf Ort und Nutzung sowohl bei der Bauherrschaft als auch bei den Gästen bewährt hat.

Bauherrschaft zwischen Tradition und Gegenwart
Das Hotel Hirschen in Schwarzenberg im österreichischen Vorarlberg steht als Ensemble im denkmalgeschützten Ortskern und verbindet regionale Baukultur mit zeitgemäßer Gastlichkeit. Die Familie Fetz prägt das Haus seit 10 Generationen und ordnet den 2024 fertiggestellten Umbau zum Badehaus als langfristige Investition in die Qualität des Ortes ein. Inhaber Peter Fetz erklärt, dass das Badehaus nicht als lauter Effektbau gedacht war, sondern als stiller, zeitgenössischer Rückzugsort, der sich selbstverständlich in das Ensemble einfügt. Gerade deshalb sind Innenraumwirkung, Materialstimmung und Licht ein zentrales Thema: Die Auswahl der Leuchten und die Lichtführung machen Ruhe, Handwerk und regionale Verankerung als räumliches Erlebnis für die Gäste erfahrbar.

Das neue Badehaus mit feingliedrigem „Holzkleid“
Während das Stammhaus mit seiner sonnengezeichneten Fassade den Dorfplatz prägt und das Wälderhaus großzügige Apartment-Suiten anbietet, setzt das 2024 fertiggestellte Badehaus einen neuen Schwerpunkt im Inneren: eine Spa- und Wellnesswelt, in der Raumproportionen, Holzoberflächen und Licht zusammenwirken. Der Neubau, geplant vom Architekturbüro NONA aus Bezau, ergänzt das Ensemble mit einer markanten Dachform, die an die traditionelle Walmform anknüpft. Das feingliedrige Holzkleid mit beweglichen Lamellen ordnet den Bau in die dichte historische Nachbarschaft ein. Im Inneren erweitert das Haus das Angebot um Ruhezonen, Sauna, Massageräume und einen Gartenbereich, wobei die Innenarchitektur bewusst reduziert bleibt, damit Materialität, Blickbeziehungen und Licht die Atmosphäre tragen.
Licht ist Poesie
Einen entscheidenden Anteil an der Raumstimmung hat die Lichtplanung von ARCHILUM unter der Leitung von Barbara Gilhaus-Sturn. Für sie ist Licht nicht nur Funktion, sondern Poesie. Ziel war es, die wohltuende Wirkung von Tageslicht auch in innenliegenden und dunkleren Zonen spürbar zu machen. Sie beschreibt, dass sie sich am Verlauf des Tageslichts orientiert und der Natur ihr Phänomen abschaut. Auf Kunstlicht übertragen bedeutet das: tagsüber ein höheres, raumöffnendes Niveau, das die Innenräume weniger höhlenartig erscheinen lässt, und zum Abend hin eine gedimmte, wärmer werdende Lichtstimmung.

Um diesen Wechsel im Interieur nachvollziehbar zu machen, kommen manuell eingesetzte Dim-to-Warm-Leuchten zum Einsatz, deren Lichtfarbe sich beim Dimmen in Richtung warm verschiebt, ähnlich der Veränderung des Tageslichts von Mittag bis Abend. Gilhaus-Sturn ist überzeugt, dass solche warmen Abendstimmungen tief verankert sind, vergleichbar mit der Erinnerung an ein Lagerfeuer. So begleitet das Licht den Tagesrhythmus, unterstreicht die handwerkliche Qualität der Holzinnenarchitektur und stärkt genau jene ruhige Wellness-Atmosphäre, auf die das Hotel Wert legt.
Mit dem belgischen Familienunternehmen Deltalight hatte die Lichtplanerin einen Partner, der die Anforderungen des Ortes und die klar formulierten Wünsche der Bauherrschaft mit Detailpräzision sowie behutsamen Weiterentwicklungen direkt in Lösungen übersetzte.

Präzises Licht für ruhige Räume
Im Badehaus kommen unter anderem Strahler der SPY-39-Familie in warmtoniger, dimmbarer Ausführung sowie Deep-Ringo-Downlights zum Einsatz, die auf visuellen Komfort und geringe Blendung ausgelegt sind. In den Spa-Zonen wurden Abstrahlwinkel und Lichtstärken so fein abgestimmt, dass entblendete, ruhige Szenen entstehen, die zugleich Orientierung und Sicherheit geben. Eine für das Projekt konfigurierte Variante wurde aufgrund der positiven Erfahrungen in das reguläre Sortiment von Deltalight übernommen und steht inzwischen auch für weitere Anwendungen bereit.
Oliver Waidmann, Director Deltalight DACH Region, erläutert, dass ihn besonders der Moment interessiert, in dem Licht und Material zu einer gemeinsamen Sprache finden. Wenn sich architektonische Präzision mit einer zurückhaltenden, stimmigen Lichtführung verbinden lasse, sei das auch für Deltalight ein Herzensprojekt.

Mit Feingefühl inszeniert
Aus der Zusammenarbeit von Bauherrschaft, ARCHILUM und Deltalight ist eine Lichtlösung entstanden, die die Innenarchitektur mal sanft und flächig, mal punktuell und akzentuiert inszeniert. Sie zeichnet Linien nach, gliedert Raumzonen, betont die Wärme und Natürlichkeit des Holzes und verleiht dem Badehaus jene ruhige Sinnlichkeit, die Wellnessbereiche tragen soll. Große Glasflächen und Oberlichter holen Tageslicht tief in die Räume, während das Kunstlicht die Materialwirkung am Abend weiterführt und Innen- und Außenraum zu einer ruhigen Einheit verbindet. Waidmann ist überzeugt, dass Projekte wie dieses zeigen, wie sehr Architekturlicht heute über reine Ausleuchtung hinausgeht. Aufgabe sei es, Planenden und Bauherrschaft Werkzeuge zu geben, mit denen Räume Struktur, Tiefe und Atmosphäre erhalten.
Daten + Fakten
Projekttitel: Hotel Hirschen
Standort: Hof 14, 6867 Schwarzenberg, Vorarlberg
Team:
Bauherr:in: Peter und Pia Fetz
Architektur: NONA Architektinnen, Bezau
Lichtplanung: ARCHILUM e.U.
Verbaute Leuchten von Deltalight: Hedra, Spy, Deep Ringo
Planungszeitraum: 05/2019 bis 05/2023
Ausführungszeitraum: 11/2023 bis 05/2024
Grundstücksgröße:
Stammhaus + Wälderhaus + Badehaus: 3690,0 m2
Wälderhaus + Badehaus: 2538,0 m2
Nutzfläche:
Badehaus: 503,50 m2
Wälderhaus: 1418,80 m2
BGF Badehaus: 670 m2
Wälderhaus: 1937 m2
Gebäudevolumen BRI:
Badehaus: 2261,75 m3
Wälderhaus: 5879,84 m3
Bebaute Fläche:
Badehaus: 102,00 m2
Pool: 67,43 m2
Wälderhaus (Bestand): 365,50 m2
Stammhaus (Bestand): 434,40 m2



