Als der eingeschossige Kettenbungalow 1974 entstand, dachte wohl niemand daran, dass er ein halbes Jahrhundert später erneut in den Schlagzeilen stehen würde. Der Architekt, der ihn entwarf, lebte selbst über vier Jahrzehnte in dem Haus – bis zu seinem Tod. Danach zog das Ehepaar Hermann samt Dackel Bruno ein und machte aus dem betagten Bau in Boostedt bei Neumünster ein Zuhause für die Zukunft.

Abschied vom 70er-Flair
Was damals als modern galt, wirkte inzwischen schwer und dunkel: rote Klinker, Terrakotta-Fliesen, holzvertäfelte Decken, dazu ein Grundriss voller kleiner Räume. Der typische Kettenbungalow – eine Bauform, bei der L-förmig aneinandergereihte Häuser durch fensterlose Wände voneinander getrennt sind – sorgte zwar für Atrien mit Privatsphäre, aber eben auch für viel Schatten im Inneren.

Die Hermanns entschieden sich für einen radikalen Schnitt: Wände fielen, Leitungen wurden erneuert, Farben gewechselt. Weiß und Hellgrau bestimmen heute das Bild, der Raum wirkt offener, größer, heller. Aus einem verschachtelten Zeitzeugen wurde ein barrierearmer Alterssitz, in dem sich die Bewohner lange wohlfühlen wollen – und in dem Bruno keine Treppen mehr steigen muss.
Umbau mit Licht und Augenmaß
Besonderes Augenmerk lag auf dem Tageslicht. Schon in den 1990er Jahren hatte der Bungalow drei Lichtkuppeln bekommen. Bei der Sanierung 2018 ersetzten die Hermanns sie durch moderne Flachdachfenster, ergänzt um weitere Oberlichter im Bad und im Wohnbereich. Das Ergebnis: Räume, die jetzt vom Tageslicht durchflutet sind.

Die Bauherren entschieden sich bewusst für Glasvarianten mit leichter Wölbung, die das Regenwasser gut ableiten und zugleich harmonisch in die Dachfläche integriert wirken. Auch an heißen Tagen bleibt es dank Hitzeschutz-Markisen unter dem Dach erträglich.
Neben den Fenstern erneuerten die Hermanns auch Wasser- und Stromleitungen, setzten auf hochwertige Materialien und gönnten sich kleine Extras – etwa einen Kaminofen mit Bio-Ethanol. Dass die Kosten unter 100.000 Euro blieben, lag nicht zuletzt daran, dass beide viele Arbeiten in Eigenleistung stemmten.

Grundriss mit neuer Freiheit
Heute empfängt der Bungalow Besucher über einen kleinen Windfang, der direkt in den großzügigen Wohn- und Essbereich führt. Rund 52 Quadratmeter misst dieser Kern des Hauses – lichtdurchflutet, offen zur Küche, ein Raum für Begegnung und Alltag.
Ein zusätzlicher Flur erschließt den privaten Trakt mit zwei Schlafzimmern, Bad, Gäste-WC und Abstellraum. Auch dort fiel viel Licht von oben ein – im Bad durch zwei Oberlichter, von denen eines sogar elektrisch zu öffnen ist. Das ermöglicht schnelle, effektive Belüftung.

Ein Zuhause für die Zukunft
Das Ehepaar Hermann genießt die neue Klarheit und Offenheit ihres Bungalows – und Bruno offensichtlich ebenso. „Wir hatten ziemlich genaue Vorstellungen, wie der Umbau aussehen sollte“, erzählt Kerstin Hermann, „aber wenn man dann vor dem Ergebnis steht, ist es doch etwas anderes. Wir werden sicher noch viele Jahre Freude daran haben.“
Die Verwandlung des einst düsteren 70er-Jahre-Hauses in ein modernes, helles Domizil zeigt, wie mit Mut, Ideen und ein wenig Eigenleistung auch ein Kettenbungalow zum Traumhaus werden kann.



