Lunaris: Wenn Licht zur künstlerischen Haltung wird

Lunaris: Wenn Licht zur künstlerischen Haltung wird

Lunaris Light Sculptures entstehen in einer Stuttgarter Werkstatt als handgefertigte Einzelstücke. Der Kern ist hier kein austauschbarer Look, sondern eine handwerkliche Haltung: sichtbare Entstehung, organische Form, Materialien, die eben nicht glattgebügelt werden – und ein Prozess, der Tage bis Wochen dauert, weil er Entscheidungen im Detail erzwingt, statt sie zu automatisieren.

Ein unscheinbares Stück Holz ist am Anfang kein Versprechen, eher ein Verdacht. Da liegt etwas, das in jedem x-beliebigen Möbelhaus enden könnte – und wird stattdessen zum Ausgangspunkt eines Objekts, das sich am Ende wie ein eigenständiger Charakter im Raum behauptet. Lunaris Light Sculptures sind keine Leuchten im Sinn eines Produkts, das man „konfiguriert“ und dann geliefert bekommt. Sie entstehen als Unikate, mit einer eigenen Handschrift. Und diese Handschrift ist keine Signatur am Schluss, sie steckt im gesamten Weg dorthin.

Werkstattlogik: Spuren zulassen, statt sie zu kaschieren

Der entscheidende Unterschied passiert nicht erst, wenn das Licht angeht. Er passiert früher, in dem Moment, in dem eine Arbeit sich weigert, ihre Geschichte zu verbergen. Bei Lunaris wird der Entstehungsprozess nicht „wegpoliert“, sondern bleibt ablesbar: in Maserungen, Übergängen, Strukturen, in jenen kleinen Unregelmäßigkeiten, die nicht als Fehler auftreten, sondern als Beleg. Hier hat eine Hand gearbeitet. Hier wurde entschieden. Hier wurde verworfen, neu angesetzt und wieder präzisiert.

Kein Baukasten. Keine Serie. Kein Ersatzteil. Und genau dadurch kippt die Leuchte aus dem Reich der austauschbaren Dinge in jene Zone, in der Gegenstände plötzlich wieder Bedeutung tragen dürfen – einfach, weil sie nicht so tun, als wären sie überall gleich und jederzeit nachbestellbar.

Diese Einzelarbeit hat Konsequenzen für die Zeitrechnung: Je nach Größe und Aufwand wächst eine Leuchte über mehrere Tage bis Wochen. Mindestens fünf Arbeitstage sind als Untergrenze gesetzt; größere oder komplexere Objekte brauchen deutlich länger. Das ist keine romantische Pose, sondern handwerkliche Realität – Zeit als Material, Präzision als Disziplin, Entscheidung als kleinteilige Arbeit am Übergang, am Verhältnis, am Schatten.

Material als Argument: Natur, Textur, Herkunft

Die Formen sind naturinspiriert, organisch – und das wirkt nur, wenn das Material mitspielt. Lunaris arbeitet mit einem bewusst gewählten, teils regionalen Mix aus Holz und Wurzeln, Papier, Rattan beziehungsweise Peddigrohr, Kalebasse und Naturstein. Das ist keine Zutatenliste für einen flüchtigen Trend, sondern eine Setzung: Texturen bleiben sichtbar, weil genau dort die Wirkung entsteht. Licht reagiert auf Oberfläche. Auf Struktur. Auf das, was eben nicht perfekt identisch ist.

So entstehen Schatten nicht als bloßer Nebeneffekt, sondern als zweite Ebene der Arbeit: mal weich und tief, mal grafischer, mal ruhiger verteilt. Das Objekt macht nicht einfach nur hell. Es zeichnet. Es modelliert Atmosphäre – und setzt im Raum einen Gegenpol zu jener visuellen Hektik, die man längst nicht mehr nur draußen findet.

Planung ohne Ausrede: 3D als Vorschau, nicht als Abkürzung

Bei komplexeren Projekten oder besonderen Wünschen kann der Entwurf vorab in 3D visualisiert werden. Das hilft, Dimensionen und Wirkung im Raum zu prüfen, bevor gebaut wird. Es ersetzt aber nichts, was später zählt: die tatsächliche Arbeit am Material. Die Visualisierung ist hier eher ein Gesprächsraum als eine Produktionsstraße – hilfreich, solange sie den handwerklichen Kern nicht simuliert, sondern vorbereitet.

Wo diese Lichtobjekte landen – und was sie dort leisten

Die Einsatzbereiche sind bodenständig: privater Wohnraum, Praxen und Therapieräume, Bars und Restaurants. Und doch ist genau das der Prüfstein. Denn dort muss eine Leuchte mehr können als „Design“. Sie muss aushalten, dass Menschen bleiben. Dass Räume kippen. Dass Ruhe plötzlich nicht peinlich ist, sondern angenehm. Wenn Lunaris funktioniert, dann als stiller Regisseur: nicht laut, nicht dekorativ im Vordergrund, eher als Präsenz, die man spürt, bevor man sie erklären kann.

Preis, Zeit, Wahrheit im Angebot

Die Preise bewegen sich je nach Größe und Aufwand zwischen 800 und 5.000 Euro. Das ist eine Spannweite, die weniger über Luxus spricht als über Varianz: Einzelstücke, unterschiedliche Materialien, unterschiedliche Komplexität. Wer hier kauft, kauft keine Wiederholung – und bekommt sie auch nicht. Der Satz „Jede Skulptur wird gebaut, nicht produziert“ ist in diesem Kontext keine Marketing-Floskel, sondern die nüchterne Übersetzung eines Prozesses, der eben nicht auf Austauschbarkeit zielt.

Biografie als Werkzeugkasten: Stop-Motion, 3D, Geduld

Hinter Lunaris steht Marcel Kühn. Aufgewachsen in der Region Stuttgart, in einem Umfeld, in dem Gestaltung Alltag war: die Mutter Malerin, der Vater mit eigener Werbeagentur. Später studierte er Animationsfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg, Schwerpunkt Stop-Motion und 3D-Animation. Stop-Motion zwingt zur Geduld und zur Präzision am physischen Objekt; 3D schult räumliches Denken und die Lichtführung im Raum. Danach folgten Jahre im Bereich Visual Effects für Werbung, Spielfilm und Architekturvisualisierung – jene Schnittstelle aus Idee und technischer Umsetzung, an der sich schnell zeigt, ob ein Konzept trägt oder nur gut klingt.

Parallel wuchs ab 2020 eine eigene Werkstatt, zunächst nebenberuflich, dann mit zunehmend klarer künstlerischer Handschrift. Seit Herbst 2025 arbeitet Kühn als freischaffender Künstler und widmet sich vollständig Lunaris. Das ist, bei aller Ruhe im Ergebnis, ein ziemlich unruhiger Schritt: weg von Projekten, die in Timelines und anonymen Teams verschwinden, hin zu Objekten, die allein im Raum stehen und jede Behauptung beweisen müssen, indem sie wirken.

www.lunarislight.de

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