4a Architekten: Salinarium in Bad Dürkheim

4a Architekten: Salinarium in Bad Dürkheim

Wer vom Eingang am Wurstmarktplatz losgeht, merkt schnell: 4a Architekten haben hier nicht einfach „noch eine Therme drangestellt“. Der Weg ist Teil der Architektur. Ein langer Gang führt vom bestehenden Freizeitbad in den rückwärtigen Thermenbereich, mit Einblicken in die Badehalle. Und mit einer klaren Schwelle, die nicht nach Beschilderung aussieht, sondern nach Raumwechsel.

Ankommen, umschalten, runterfahren

Der neue Eingangsbereich mit weit auskragendem Dach ist die öffentliche Ansage. Dahinter wird es innenarchitektonisch interessant, weil 4a Architekten die Übergänge als eigene Disziplin behandeln: erst Umkleiden, dann dieser Erschließungsgang, der Distanz überbrückt und gleichzeitig das Tempo sortiert.

Damit das nicht zu einer reinen „Bademantel-Schneise“ wird, begleitet Ricarda Mieths Arbeit „Wellengang“ den Weg in die Therme und markiert den Wechsel vom lebendigen Badebetrieb in den ruhigeren Bereich. Beobachtbar ist hier vor allem die Absicht, Stimmung nicht erst im Becken zu erzeugen, sondern vorher – im Ablauf, im Blick, im Rhythmus.

Der Thermenbereich selbst wird über geschwungene Formen organisiert. Das ist kein Selbstzweck, sondern ein Orientierungsangebot: fließende Raumfolgen statt harter Achsen, die im nassen Betrieb schnell nach Klinik wirken. Der Neubau ist über drei Ebenen angelegt. Unten öffnet sich das Badeangebot nach innen und außen.

Die Saunalandschaft läuft als vertikale Raumsequenz durch alle Geschosse. Auf jeder Ebene sitzen Aufenthaltsorte wie Gelenke im Programm: Restaurant im Erdgeschoss, Kaminlounge im ersten Obergeschoss, Liegebereiche im zweiten Obergeschoss mit Blick auf Park und Stadt. Alle Ebenen haben zudem einen Bezug nach draußen, mit Saunagarten, angeschlossenem Freibereich und Dachterrasse. Das ist innenarchitektonisch relevant, weil sich damit die „Dichte“ der Innenräume steuern lässt: Rückzug, Weite, Blick – je nachdem, wo man gerade ist.

Material, Licht, Oberflächen: Ruhe als Entscheidung

4a Architekten beschreiben die Therme als bewusst ruhiger und klassischer als das Freizeitbad. Das lässt sich am Innenausbau festmachen: Holzlamellen, Feinsteinzeug, keramische Beläge in gedeckten Farbtönen. Dazu graue Beckenfliesen – eine Entscheidung, die nicht nach Event schreit, sondern nach Gelassenheit und Dauer. Gerade in Thermen ist das keine Kleinigkeit: Oberflächen müssen Hitze, Feuchte, Chemie, Reinigung und Publikumsverkehr aushalten. Wenn die Gestaltung dann „zeitlos“ wirken soll, muss sie über Proportion, Fügung und Materialwirkung funktionieren – nicht über kurzlebige Effekte.

Auch die Lichtgestaltung wird als integraler Teil des Konzepts beschrieben. Grundbeleuchtung zurückhaltend, dafür präzise gesetzte Lichtlinien als Akzente und Orientierungshilfe. Das ist ein typischer Punkt, an dem Innenarchitektur entweder gewinnt oder verliert: In feuchten Räumen sind Schatten, Spiegelungen und Blendungen schnell ein Thema. Das Konzept setzt hier offenbar auf Führung durch Licht statt auf flächiges „hell machen“. Ob das im Betrieb wirklich so ruhig bleibt, wie es klingt, hängt dann von Details ab, die im Alltag gnadenlos sind: Wartung, Austausch, Verschmutzung, die tatsächliche Nutzung der Szenen. Dazu liegen hier keine unabhängigen Aussagen vor – aber die Richtung ist klar erkennbar.

Großzügige, raumhohe Verglasungen bringen Tageslicht und werden zugleich mit „solaren Gewinnen“ begründet. Innenarchitektonisch zählt vor allem, was das mit Stimmung macht: Tageslicht gibt den Aufenthaltsbereichen eine Zeitlichkeit, die künstliches Licht selten hinbekommt. Und es verbindet die Innenwelt stärker mit Park und Stadt, was bei Thermen oft der Unterschied zwischen „drinnen versiegelt“ und „drinnen geöffnet“ ist.

Außen als Fortsetzung des Innenraums – und Bauen neben dem Betrieb

Zur äußeren Fassung gehört eine neue Verkleidung, deren Farbgebung an die goldene Tönung eines gereiften Rieslings angelehnt ist. Umlaufende Fassadenbänder fassen den Thermenbereich zusammen und lassen das Zusammenspiel von Bestand und Neubau ablesbar. Innen wirkt das vor allem dann, wenn es als zusammenhängendes Ensemble gelesen wird: Man merkt, ob Alt und Neu miteinander sprechen oder sich gegenseitig ignorieren. Hier ist die Trennung bewusst sichtbar, gleichzeitig wurden Bestandsfassaden im Übergang saniert und integriert.

Der Bau lief bei laufendem Badebetrieb. Das ist weniger romantisch als es klingt und eher eine Frage von Präzision: saubere Trennung, klare Logistik, respektvoller Umgang mit dem Bestand. Als Nachhaltigkeitsargument wird der Erhalt des Bestands über graue Energie, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung begründet.

Technisch werden optimierte Dämmwerte, luftdichte Anschlüsse, Lüftungsanlagen mit hoher Wärmerückgewinnung, bedarfsgerechte Steuerungen und Beckenabdeckungen genannt. Die Wärmeversorgung soll über Fernwärme erfolgen; ergänzend werden Photovoltaikflächen sowie extensive Gründächer beschrieben.

Dazu kommen getrennte Badewasserkreisläufe, Wärme-Rückgewinnung aus Prozesswasser, ein stagnationsfreies Trinkwassersystem und zentrale Steuerung über Gebäudeleittechnik. All das liest sich wie ein Versuch, die „unsichtbare Innenarchitektur“ – also Klima, Hygiene, Betriebsführung – nicht als Technikraum-Thema abzuschieben, sondern als Teil der Nutzungsqualität zu behandeln.

Projekt

Standort: Salinarium Bad Dürkheim, 67098 Bad Dürkheim
Bauherr: Stadtwerke Bad Dürkheim GmbH
Architekt: 4a Architekten GmbH, Hallstraße 25, 70376 Stuttgart
Planung: Anke Pfudel-Tillmanns (Projektleitung), Catalina Valderamma, Tim Döringer
Ausschreibung: Sylvia Gmelin Bauleitung: Olaf Feierabend, Daniel Hauptmann
Landschaftsarchitekt: L.A.U.B. – Ingenieurgesellschaft mbH
Projektsteuerung: Tribast Projektmanagement
Tragwerksplanung: sbp se schlaich bergermann partner
Bauphysik: KURZ und FISCHER GmbH
Brandschutz: Ingenieurbüro STÜMPERT-STRUNK GmbH
HLS: Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH
Elektroplanung: planungsbüro für elektrotechnik gmbh alexander müller
Lichtplanung: LICHT KUNST LICHT AG
Kunst am Bau: Ricarda Mieth, Berlin

Bauzeit 05/2021 bis 07/2025
BGF 7.957 m², BRI 36.716 m³, LpH 1 bis 8
Gesamtwasserfläche 366 m²

Fotos: Uwe Ditz, Stuttgart

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