Restaurant Traubenwirt: Ein sensibler Ausbau im Herzen von Brixen

Restaurant Traubenwirt: Ein sensibler Ausbau im Herzen von Brixen

Foto: Jürgen Eheim

Im historischen Kern von Brixen wurde das traditionsreiche Restaurant Traubenwirt um einen angrenzenden kleinen Raum erweitert – ein Eingriff, der mit großer Zurückhaltung und handwerklicher Sorgfalt umgesetzt wurde. Das ursprüngliche Gebäude stammt aus dem Jahr 1444 und entstand nach einem verheerenden Brand, der weite Teile des Viertels zerstört hatte.

Foto: Jürgen Eheim
Foto: Jürgen Eheim

Im Jahr 2023 erwarb der Bauherr ein benachbartes Ladenlokal unter den „Kleinen Lauben“ an der Ecke zur Domgasse und plante, dieses in das bestehende Restaurant zu integrieren. Ziel war es, die Typologie einer traditionellen Stube nach­zu­vollziehen, ihre behagliche Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit zu erhalten und gleichzeitig mit einer modernen Offenheit zu verbinden.

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Architektonisches Vorgehen und räumliche Eingriffe

Die Verbindung von Alt und Neu erforderte einen behutsamen Eingriff: Es wurde eine nahezu einen Meter dicke tragende Wand durchbrochen, um den neuen Raum anzuschließen. Um eine adäquate Raumhöhe zu erreichen, wurde das Bodenniveau des neu entstehenden Bereichs um etwa 50 cm abgesenkt.

Der Übergang zwischen historischer Stube und Erweiterung wird formal wie materiell präzise herausgearbeitet: Eine markante Messingschwelle mit vier Stufen fungiert als „metallischer Gürtel“, der die Passage optisch und haptisch kennzeichnet und die architektonische Intervention bewusst hervorhebt.

Foto: Jürgen Eheim
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Materialwahl, Atmosphäre und Nutzungskonzept

Im neuen Raum finden acht Tische Platz, die sich flexibel entlang der umlaufenden Wände kombinieren lassen. Maßgefertigte Messingpendelleuchten wurden installiert — jede über der jeweiligen Tischgruppe als „gravitationaler“ Mittelpunkt. Sie verbinden Funktion und Atmosphäre, schaffen Intimität und gewähren zugleich variable Nutzungsmöglichkeiten.

Foto: Jürgen Eheim
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Die getäfelte Wandverkleidung aus Nussbaumholz greift die Sprache der historischen Stube auf, rahmt die vorhandenen Gewölbe ein und verbessert zugleich die Raumakustik. Eine großflächige, fix verglaste Fensterfront öffnet den Raum zur Straße – zugleich dient sie als Bühne für wechselnde zeitgenössische Kunstwerke, was einen bewussten Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart erzeugt.

Foto: Jürgen Eheim
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Fazit: Architektur mit Feingefühl

Dieses Projekt demonstriert eindrucksvoll, wie auf vergleichsweise kleiner Fläche durch sorgfältige Detailierung, hochwertige Materialien und räumliche Sensibilität eine starke architektonische Erfahrung geschaffen werden kann. Es wahrt die Kontinuität des Ortes und schreibt dessen Geschichte leise weiter.

Foto: Jürgen Eheim
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Projektangaben
Entwurf: zerododici architecture (Architekt: Achim Reifer)
Fertigstellung: 2024
Ort: Brixen, Italien
Größe: ca. 55 m²
Fotos: Jürgen Eheim

Das Büro zerododici architecture entstand 2012 in Tokio und betreibt heute Studios in Mailand und Brixen. Nach eigenen Angaben setzt das Büro auf eine architektonische Sprache, in der westliche und asiatische Einflüsse zusammenfinden. Die Leitprinzipien umfassen den Fokus auf den menschlichen Maßstab, die Bedeutung natürlicher Materialien und des Lichts sowie eine tief verwurzelte Wertschätzung für handwerkliche Präzision und Detail. Architektur soll nach deren Aussage nicht nur Sichtbares darstellen – sie könne eine tiefere Bedeutung tragen: Räume, die verbinden und Bestand haben.

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